Karl Ulrich Voss,
Burscheid: Meine Leserbriefe im Jahr 2026
Stand: Februar 2026; grün unterlegt:
lokale/regionale Themen u. Medien
(2026/13) 18.2.2026
Kölner Stadt-Anzeiger
USA; zu den beiden Amerika-Kolumnen von Klaus Larres in den Ausgaben v. 31.1.
u. 7.2.2026 („Das ‚Frankenstein-Monster‘ Europa“ und „Verlust des Anstands und
der Moral“)
Zwei Amerika-Kolumnen von Klaus Larres recht kurz
hintereinander – aber doch mit sehr unterschiedlichen Graden von Hoffnung. Die
zweite lässt immerhin als Deutung zu: Ein „guter“ Teil des Westens, und seien
es auch nur Mittelmächte, könnte trotz eines erst kürzlichen Verfalles von
Anstand und Moral in den USA zu einer ethisch begründeten Politik und zu
entsprechendem globalem Goodwill zurückführen.
Realistischer ist leider aber wohl der erste, vermutlich
auch deutlich früher verfasste Kommentar: Er weist auf die bereits seit
Jahrzehnten, jedenfalls schon zu Nixons und Kissingers Zeiten, tief klaffende
Schlucht hin. Auf eine Gemeinschaft, die zuallererst über Interessen und
weniger über die ständig beschworenen humanen Werte definiert ist. Ähnlich
nüchtern sah es auch Egon Bahr: In der Außenpolitik gehe es gar nicht um
Demokratie, Freundschaft und Menschenrechte, so gerne man diese auch im Schilde
führe. Sondern um stets konkrete, gewichtige und divergierende Interessen von
Staaten.
Wenn das so ist – und das ist sehr wahrscheinlich: Dann
läge die Chance Europas für neue Reputation eher in Strukturen und Verfahren:
Etwa als Sitz multilateraler Institutionen wie der VN, die heute in den USA
irritierend heimatlos, entwertet und verfolgt erscheinen. Und zwar am besten
künftig breit verteilt, mit Schwerpunkten in Mittel- und Osteuropa.
Danke für den zu Recht
skeptischen Blick! Steuerdumping hat zudem diese hochgiftige Nebenwirkung auf
die Nachbarschaft – indem das Dumping entweder bisherige Steuererträge schamlos
abwirbt oder die Nachbarn zur unverzüglichen Nachahmung zwingt. Und in einem
Unterbietungswettbewerb die Gesamterträge der öffentlichen Hand weiter
schrumpfen lässt, gleichzeitig die befallenen Kommunen von allen möglichen
alternativen Förderquellen abhängig macht. Oder: Ihre Haushalte fremden
Interessen unterwirft und die kommunale Selbstbestimmung zur Farce
verkommen lässt. Nicht zuletzt führt es dazu: Die Kommunen müssen die
verlässlich örtlich Verwurzelten – uns reale Menschen also – für die
kommerziellen Ausfälle weiter und stärker zur Kasse bitten, mit allen erdenklichen
kommunalen Abgabenerhöhungen. Um ihr Buch wieder halbwegs rund zu machen,
jedenfalls zeitweise.
Eigentlich wäre all
das ein sehr überzeugender politischer Anlass für eine Steuerreform, die
im Gesamtsystem heilt und umverteilt. Aber in der politischen Fresspyramide
sind und bleiben die Kommunen leider die erbärmliche Keller-Etage, gerade bei
Mangel-Lagen wie heute.
Das Verwunderliche
bleibt: Alle Politiker*innen, gleich auf welcher Stufe der Pyramide, kennen die
Lage sehr genau, kennen die Dach- und Mauerschäden und Schlaglöcher aller
Arten. Denn sie können ihren Wohnsitz eben nur vor Ort beziehen, in den Kommunen.
Im Kellergeschoss.
(2026/11) 13.2.2026
RGA / Bergischer Volksbote
Stadtentwicklung; zu Nadja Lehmanns Artikel in der Ausgabe v. 10.2.2026, S. 13
(„Zu viel Leerstand? Richard Kretzer bangt um die Einkaufsmeile Hauptstraße“)
Im Jahre 10 der Realisierung unseres
Stadterneuerungsprogramms IEHK zeigt sich im Stadtrat einige Ratlosigkeit.
Zunehmende Leerstände in der mittleren und insbesondere unteren Hauptstraße?
Sie hatten 2015 den Anstoß für das Programm gegeben. Auch ein aktives
Quartiersmanagement gegen Leerstand kam ausdrücklich ins Lastenheft. Das
Programm erhielt dann das stattliche Volumen von 19 Mio. € aus
Mitteln des Landes und der Kommune. Die inzwischen restlos ausgeplant
sind.
Und nun? Weiter oder wieder Leerstände! Der eine sagt: Zu
wenig getan. Und die andere: Die Zeiten haben sich geändert. Wahrscheinlich
stimmt beides, jedenfalls ein wenig. Das IEHK selbst war noch Kind eines
Planungs-Hype, der vor langer Zeit von den drei Kühn-Kabinetten gestiftet
wurde: Man nehme gegen Strukturwandel: Große Gehäuse, Konsumtempel &
Tiefgaragen an Magistralen; Leverkusen zeigt ein ganzes Museum davon,
heute viel alter Beton mit Zahnlücken und finsteren Ecken allerorten.
Corona hat dann aber eigentlich nur klarer gemacht: Der
groß aufgestellte stationäre Handel in Innenstädten hatte sein Hoch bereits
hinter sich. Und gerade die für’s Überleben wichtigen Randsortimente laufen
heute wie geschmiert über digitale Order. Heißt für Burscheid: Ein
Montanus-Quartier muss heute schon ganz anders, nämlich kleinteiliger, diverser
und anpassungsfähiger aussehen – und die Hauptstraße kann heute mit
beweglichen, zugänglichen und vernetzten kleinen Einheiten wieder deutlich
besser punkten. Was es nur braucht: Stadtplaner*innen mit einem Examen jünger
als 10 Jahre. Die sich direkt auf der Hauptstraße zusammen mit Bürger*innen,
Verwaltung und Rat das lebhafte Bild eines modernen Burscheid machen.
P.S.
Zu markanten Leerständen zu Beginn des IEHK-Prozesses insbesondere in der
unteren Hauptstraße siehe etwa IEHK S. 57 Abs. 4
Zu Heinz Kühn, MP NRW Dez. 1966 bis Sept.1978, der sich als
dynamischer Erneuerer in Zeiten des zunehmenden Strukturwandels verstand, auch
mit den Instrumenten der Stadtentwicklung, siehe etwa:
https://www.landtag.nrw.de/home/der-landtag/geschichte-des-landtags/verfolgungsbiografien/biografien/heinz-kuhn/lebensgeschichte-heinz-kuhn.html; https://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_K%C3%BChn
(2026/10) 4.2.2026
Kölner Stadt-Anzeiger
Mottowagen; zu Lena Heisings Interview mit Jacques Tilly in der Ausgabe v.
31.1.2026, S. 21 („Wie weit geht Narrenfreiheit, Jacques Tilly?“)
Jaques Tilly ist für
mich der Auguste Rodin der grandiosen, bisweilen monsterhaften Plastiken,
dieser Gassenhauer aus Pappmaschee. Und mit tatsächlich riesigen Ausstellungen;
das breite mediale Echo erreicht sicher noch einmal das Tausendfache der Menschen
am Zugrand.
Ein wenig doppelbödig
wirkt auf mich heute Tillys Wagen von 2022: Putin im Begriff, die Ukraine zu
verschlingen. „Erstick dran!“ war die unmissverständliche Botschaft. Das
ruft eine andere Perspektive wieder wach - eine, die bei uns anfänglich
dominierte: Russland soll sich an diesem Bissen schnell und final verschlucken.
Aber den Schaden, den hatten und haben konsequent zehntausende Opfer vor Ort.
Den Nutzen hatten und haben wir: Vielleicht Sicherheit, in jedem Fall
Kontrakte. Und wie vorteilhaft: Ohne jedes politische Risiko eigener Toter oder
physisch bzw. psychisch Verletzter! Dieses Setting nennt man
Stellvertreterkrieg. Und wir müssen uns fragen: Haben nicht auch wir nun einige
von den abertausenden Leichen im Keller? Als geradezu abgeklärt will ich dann
Tillys Botschaft von 2024 bewerten. Als er uns die Umwelt auf die Schulter
klopfen ließ und unverblümt ausdrückte: Unsere Endgegner, das sind wir selbst.
Ich bleibe sehr gespannt, was und wie es diesmal wird.
P.S.
Da konnten sich natürlich auch die Kölner nicht lumpen lassen, was
nachhaltig prägende Skulpturen mit deftigen Lektionen angeht. Legendär der
2023er Nosferatu-Putin des Kölner Festkomitees: Rührt eine Blutsuppe mit vielen
darin treibenden Grabsteinen; im Hintergrund die Basilius-Kathedrale, das Wahrzeichen Moskaus.
Und auf Putins Brust? Die heraldischen Zeichen des Reichs des Bösen: Hammer
und Sichel! Mit diesem Bild hat dann im Februar 2023 auch der KStA
aufgemacht. Reinhard Gehlen, der Architekt zweier erklärt anti-sowjetischer Dienste
vor und nach 1945, er hätte sich ausgelassen auf die Schenkel geklopft: "Habe
ich's denn nicht immer schon gesagt?"
Natürlich ist eine öffentliche 7/24-Toilette ein sehr berechtigter
Wunsch. Nur: An der Toilette gleich noch ein öffentliches Parkhaus aufzuhängen,
das wäre ungefähr so folgerichtig und zukunftsfähig wie das seit langem
geplante XXL-Shopping-Center aus großer Drogerie plus sehr breitspurigem
Vollsortimenter in der Montanusstraße.
War aber das Parkhaus nicht Volkes Wille, gerade noch
geäußert vom Altstadt-Workshop im Dezember? Langsam, langsam. Die Bürger*innen
hatten dort sehr vernehmlich für den Erhalt des existenten leicht erreichbaren
Parkraums votiert, vom Marktplatz bis einschließlich Kirchenkurve. Und nicht
etwa für den Ersatz in Gestalt eines neuen Parkhauses. Eines, das sich
Burscheid bei seinen wieder sehr rasch schmelzenden Rücklagen nach allen
vorliegenden Daten definitiv nicht mehr leisten kann. Und als private Maßnahme wäre
das Unterfangen besonders unwahrscheinlich, wie auch der Antrag gleich einräumt
– mit Blick auf die Erfahrungen in der Montanusstraße. Dort steht das Parkhaus
der „Neuen Mitte“ mehr und mehr in den Sternen. Und für eine zweite Parkebene
über dem Rathausparkplatz, die im IEHK als „Parkpalette“ und für zusätzliche
Entlastung geplant war, da hat sich nie auch nur ein einziger Interessent bzw.
Investor finden lassen.
P.S.:
Häufig zieht eine Fehlspekulation die nächste hinter sich her: Der Burscheider
Rat hatte am 14.12.2016 das Integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept
Burscheid 2025 beschlossen, mit dem Kernprojekt „Neue Mitte Montanusstraße“.
Dafür Quartier zu machen kostete bereits ca. 80 Parkplätze – typischerweise die
hochbegehrten Ganztagesplätze – an der Balkantrasse. Das Parkhaus des neuen
Einkaufszentrums (IEHK S.156ff) hätte schnell Abhilfe schaffen sollen. Aber es
lässt wie bekannt auf sich warten, auf eine inzwischen völlig unabsehbare Zeit.
Für die im IEHK Burscheid 2025 ebenfalls geplante „Parkpalette“ – man wollte
sie bis 2024 durch eine zweite Etage über dem im Artikel abgebildeten
Rathausparkplatz realisieren (IEHK S. 166, 185) – da hat sich ebenfalls kein
potenter Investor gefunden. Verständlich, wenn sich auf den Straßen nun
immer breiterer Unmut Bahn bricht und dass dann selbst die frühesten
Unterstützer des Montanus-Projekts so langsam politisch kalte Füße bekommen.
Nicht nachvollziehbar bleibt für mich indessen die
Nibelungentreue des BfB zu dem ASS-Chefplaner Hans-Joachim Hamerla. Das BfB
hatte schon sehr früh seinen eigenen maßgeblichen Einfluss auf die
ASS-Planungen für ein IEHK Burscheid 2025 gepriesen, auch zum Montanus-Center,
siehe etwa die vor 10 Jahren publizierte Bürgerzeitung „Breitseite 1/2016“ (https://www.buendnis-burscheid.de/fileadmin/user_upload/Aktuelles/Buergerzeitung/LR_Buergerzeitung-1.AusgabeRZ-2.pdf) . Eigentlich sollten
heute sehr kritische Fragen aufkommen – wo weder die Altstadt-Sanierung noch
die Zentrumsverlagerung abzusehen ist. Im Grunde sind dies gleich zwei
stadtplanerische Offenbarungseide. Stattdessen – ein Fortsetzungsauftrag? Für
ein öffentlich finanziertes und betriebenes Parkhaus? Das zu Verlusten
verurteilt ist?
Ich würde dazu raten, den Antrag unverzüglich
zurückzuziehen. Und später frustrierte Planungskosten - bzw. weitere voluminöse
ASS-Spesen - einzusparen.
P.P.S.
Der Wortlaut des gemeinsamen Antrags von BfB, SPD und GRÜNEN vom 15.1.2026 ist
auf der SPD-Seite eingerückt, siehe https://spd-burscheid.de/fraktion/antraege-und-anfragen/details-antraege/gemeinsamer-antrag-umgestaltung-von-unterer-hauptstrasse-marktplatz-und-kirchenkurve.html
(2026/8) 22.1.2026
Kölner Stadt-Anzeiger, abgedruckt 24.1.2026
Friedenspolitik; zum Interview von Joachim Frank mit Rolf Mützenich in der
Ausgabe v. 21.1.2026, S. 6 („Trump verhöhnt das Verhandeln“) sowie zum
Frank&Frei-Podium „Und die Feindesliebe?“ am gleichen Tage in der Kölner Karl-Rahner-Akademie
Rolf Mützenich wirkt
verletzlich, räumt Schrammen und Beulen ein. Nachgefragt: Männer wie Karl
Rahner, die im Kalten Krieg im Westen wie im Osten willkommen waren und
gesprochen haben, oder Egon Bahr, der durch den Eisernen Vorhang hindurch
denken konnte: Hätten diese heute Chancen in der SPD? Eher unrealistisch,
antwortet Mützenich mit Bedauern.
In der
Karl-Rahner-Akademie jedenfalls hatte er die deutliche Mehrheit des
christlichen Abendlandes hinter sich – für aktive Vertrauensbildung und einen
unbeirrten Dialog unter Gegnern. Nicht nur das christliche Abendland im
Übrigen, auch die Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur stärkte ihm den
Rücken. Mützenich hat wohl das Zeug, Friedfertige in der traditionell
gewaltkritischen SPD zu halten. Und gerade nicht solche, die heute beseelt den
Kriegstanz tanzen – trotz der im Mittel sehr schlechten militärischen Bilanz
seit UNOSOM II. Damals schon: nach der Phase der Entspannungspolitik.
Ich verstehe Rolf
Mützenich auch so: Er hätte sich nicht vor Trumps Schreibtisch zitieren und
dort nicht von oben herab kujonieren lassen. Respektable und repräsentative
Europäer sollten genau das in Zukunft meiden wie der Teufel das Weihwasser.
Anm.:
Mützenichs berechtigte Kritik an europäischen Staatsmännern (dritter Absatz des
Leserbriefs) bezog sich offenbar auf ein Bild vom Washingtoner Ukraine-Gipfel
vom 18.8.2025; es ist u.a. hier wiedergegeben: https://www.bild.de/politik/ausland-und-internationales/am-schreibtisch-des-praesidenten-hier-bangt-europa-vor-trump-68a4269a99ec9e2fe941d6c4
(2026/7) 20.1.2026
RGA / Bergischer Volksbote,
abgedruckt 22.1.2026
zu Nadja Lehmanns Artikel „Braucht Burscheid ein Parkhaus?“ in der Ausgabe v.
19.1.2026, S. 21)
Für mich sind es sehr
überraschende Folgerungen aus der Stadtentwicklungs-Werkstatt kurz vor
Weihnachten: Ein Parkhaus für die Altstadt, ggf. kommunal finanziert und
betrieben? Jedenfalls in meinem Beisein hatte es seitens der Bürger*innen
völlig anders geklungen: Die bereits vorhandenen, Barriere-armen
Parkmöglichkeiten in der unteren Hauptstraße möglichst erhalten – fairerweise
ebenso wie im mittleren und oberen Abschnitt! Und den Durchfluss weiter
gewährleisten, nicht etwa einen Gefäßverschluss in unsere Lebensader
einbauen!
Genau das müsste uns
auch das Beispiel Altenas zeigen, wo das Düsseldorfer Planungsbüro ASS zuvor
beraten hatte: Der verkehrsberuhigte Teil der dortigen Lennestraße, sie
entspricht historisch und funktional unserer Hauptstraße, ist trotz eines „IEHK
Altena 2015“ weiter und weiter ausgetrocknet. Siehe und lerne!
Ich möchte anregen, und
das war m.E. auch der weit überwiegende Wille am 17. Dezember: Markt und untere
Hauptstraße behutsam neu gestalten, Verkehr zulassen, Geld sparen. Geld, das
wir angesichts unserer rapide schmelzenden Rücklagen ebenso wenig locker haben
werden wie für den Bau und Betrieb eines Parkhauses.
P.S.
Meine Eindrücke der ISEK-Werkstatt am 17.12.2025 stehen in einer am
16.1.2026 abgegebenen Stellungnahme: https://www.vo2s.de/bu_2026-01-16_isek-workshop_voss.pdf; Kurzfassung unter https://www.vo2s.de/bu_2026-01-16_isek_voss-ms.pdf. In der offiziellen Doku des Moderators vom 17.12. findet
sich ebenfalls kein Beleg für eine Parkhaus-Initiative, siehe https://beteiligung.nrw.de/portal/download/resources/beteiligung/1020584/gegenstand/1050504/datei/1914528_1/doku_buergerws_isek2030_251217_promediare_final.pdf
(2026/6) 12.1.2026
Kölner Stadt-Anzeiger
Iran; zu Christoph Schmidts Beitrag „Ein Charles III. des Mittleren Ostens“ in
der Ausgabe v. 12.1.2026, S. 2
Danke für den
berechtigten Hinweis auf die Vorgeschichte der Islamischen Republik: Auf den
i.J. 1953 von westlichen Diensten mittels der Operation TPAJAX initiierten
Machtwechsel, vom demokratisch gewählten iranischen Präsidenten Mossadegh auf
das dann autokratische Regime des Mohammad Reza Pahlawi. Damals wie heute in
Venezuela waren Öl-Interessen hochwirksam, aber auch ein rapide wachsendes
Blockdenken und der stete Versuch, strategisch relevante Staaten in die eigene
Richtung zu „drehen“.
Das Regiment des Schah
– es stützte sich auf den als brutal bekannten iranischen Dienst SAVAK, wurde
mittelbar sogar Auslöser der deutschen Studentenunruhen – hielt sich bis 1979;
sein Zusammenbruch stürzte den Iran in die heutige Theokratie. Was wir im Jahre
2026 sehen, das ist ein vom Westen verantwortlich mitgeschaffener failing
state, und er wurde durch den irakisch-iranischen Stellvertreter-Krieg und
durch jahrzehntelange einschneidende Boykott-Maßnahmen systematisch weiter
zerrüttet. Oder: Es ist nun das furchterregende Produkt von Zauberlehrlingen.
Der Westen ist damit
die allerletzte Weltregion, die das Vertrauen der Iranerinnen und Iraner
verdient. Wir müssen uns von Ratschlägen oder gar von dynastischen Ideen
fernhalten. Auch die noch frischen Erfahrungen mit ISAF müssten uns ernüchternd
davon abhalten, einem neuerlichen Machtwechsel in einem islamischen Staat
nachzuhelfen. Was uns nicht verwehrt ist: Vermittelnde Diplomatie, spürbare
Nächstenliebe und menschliche Hilfe, ohne weltanschauliche Hintergedanken.
Quellen etwa:
https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Ajax
https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Golfkrieg
P.S.
Ein geringschätziges, wenn nicht zynisches Verhältnis des Westens gegenüber
Iran und Irak mag man mit Bemerkungen charakterisieren, die einem
US-Außenminister und einer Amtsnachfolgerin zugeordnet werden:
(1) „It’s a pity
they can’t both lose.“ = Henry Kissinger zu den möglichen Folgen des
irakisch-iranischen Krieges 1980-1988 bzw. des ersten Golfkrieges, damals noch
mit intensiver US-Unterstützung für den Irak, zitiert nach https://www.independent.co.uk/voices/henry-kissinger-death-obituary-nixon-vietnam-b2456059.html). Anm. zur Quellenlage: Kissinger wird mit mehreren leicht
voneinander abweichenden Wortlauten zitiert; eine sicher verbürgte Quelle
(Ort/Datum) gibt es m.W. nicht, allerdings sind auch keine Dementis bekannt.
Das folgende Zitat ist allerdings sehr gut verbürgt:
(2) „We think the
price was worth it.“ = Madeleine Albright am 12.5.1996 in einem per Youtube
nachverfolgbaren Interview auf die für sie überraschende Frage, ob massive
Todesopfer unter irakischen Kindern infolge eines US-Medizin-Boykotts im
Kontext des zweiten
Golfkriegs 1990/1991 gerechtfertigt waren, siehe u.a. https://en.wikipedia.org/wiki/Madeleine_Albright.
Man sollte in der
Rückschau festhalten: Am Ende hatten tatsächlich beide Völker massiv
verloren – das des Irak und das des Iran. Oder auch: der Stoßseufzer,
der oben Henry Kissinger zugeordnet ist, hat sich schließlich mit nachhaltigen
Wirkungen erfüllt. Ohnehin erscheint der Nahe und Mittlere Osten heute in sehr
weiten Teilen destabilisiert, zerstört und als Ausgangspunkt breiter
Fluchtbewegungen. „Ex oriente lux!“, wie es noch mein Großvater kannte,
das wird heute niemand mehr ernsthaft sagen wollen.
(2026/5)11.1.2026
Frankfurter Allgemeine, abgedruckt 10.2.2026
Venezuela; Michael Hansfelds Beitrag „Action in Caracas. Donald Trump macht die
Regeln, was machen wir?“ in der Ausgabe v.5.1.2026, S. 9
Tollkühn-brillant, was die Elitekämpfer der Delta Force da
in Caracas vollbracht haben? Ja, zumindest zur erklärten Befriedigung eines
Donald Trump, der die rasante Action live und in Farbe am Bildschirm miterleben
durfte. Aber „macht Donald Trump (nun) die Regeln“, wie es der Untertitel
ausdrückt? Oder reißt er nicht lustvoll tragende Teile desjenigen Regelwerks
ein, auf dem die UNO und damit die friedliche und gedeihliche Koexistenz der
Völker basieren?
Oder auch: Was wären die lessons to be learnt
speziell für uns? Könnte irgendein Kommandeur der Bundeswehr im Rahmen der ganz
zu Recht weiter hoch gehaltenen „Inneren Führung“ seinen erwartungsvollen
Soldatinnen und Soldaten erklären, wo der militärische Auftrag der Allianz
künftig anfängt? Und wichtiger noch: Wo er endet? Zu staatlichen
Gewaltformen, die irreversibel in Grundrechte eingreifen, sollte genau das der
Kommandeur – ebenso der Werbe-Offizier in der Schulklasse – mit befriedigender
Genauigkeit definieren, sprich abgrenzen können, nicht wahr?
Es ist völlig richtig: Wir müssen die Souveränität
ausbauen, das Völkerrecht bzw. ganz allgemein eine regelbasierte Ordnung zu
verteidigen bzw. durchzusetzen, dabei auch die golden rule bzw. den
kategorischen Imperativ. Ebenso richtig ist: Durch Kopie des aktuellen
US-amerikanischen Benchmarks – oder durch betretenes Wegschauen bei robusten
Kommando-Einsätzen – werden wir hier keinen Millimeter vorankommen, ganz im
Gegenteil.
P.S.
Es heißt: Der von Donald Trump autorisierte Einsatz habe
etwa vierzig venezolanische Tote gefordert, damit in gleicher Größenordnung wie
bei dem wohl fahrlässig verursachten Diskotheken-Brand in Crans-Montana zwei
Tage vorher. Glocken werden in Washington nicht geläutet haben. Und natürlich
wird sich auch kein Strafgericht dieser Welt je mit der 2026er Causa Venezuela
befassen wollen. Diese Opfer hatten schlicht zur falschen Zeit am falschen
Platz gestanden.
(2026/4) 11.1.2026
Süddeutsche Zeitung
Venezuela; Herfried Münklers Beitrag „Das Imperium schreitet voran“ in der
Ausgabe v. 5./6.2026, S. 9
Eine neue Weltordnung
möchte ich es nicht nennen, übrigens auch keine weitere Zeitenwende. Eher eine
parabolische Geschichtsentwicklung, nur halt mit einem neuen Gradienten bei
offener Schamlosigkeit, neo-kolonialistischer Gier und nationalem Egoismus.
Der Venezuela-Coup
erinnert mich auch nicht primär an die Strafexpedition bzw. das robuste
Kidnapping des panamaischen „Strongman“ Noriega Anfang der Neunziger, mag es
auch einige Ähnlichkeiten geben. Sondern viel mehr an die Operation TPAJAX
schon in den Fünfzigern. Als CIA und MI6 wie eifrige Zauberlehrlinge gegen den
bürgerlich-nationalen iranischen MP Mossadegh plotteten, u.a. zu Gunsten der
AIOC, später BP bzw. Aral. Als diese Dienste dann ein hoch autoritäres
Satrapen-Regime aus Schah und SAVAK installieren halfen. Das am Ende
scheiterte und den Iran in eine – dem Westen noch viel abträglichere –
Theokratie stürzte. Und heute will ein Schah-Sohn gerne wieder abhelfen, mit
Hilfe des Westens. Oder auch: groundhog day.
Also wohl wenig Neues,
viel Zyklisches und peinlich berührtes Wegsehen, gerne auch Orwell’sches
Doppeldenk und Doppelsprech. Nun: Die USA wollen sicher keine neue globale
Souveränität durchsetzen; sie wollen schlicht ihre jahrzehntelange Rolle bei
der Steuerung und Nutzung der Welt und ihrer Ressourcen perpetuieren, möglichst
ad ultimo. End of history per Diktat.
P.S.
Ich neige einer
Erklärung des britischen Historikers Peter Heather für die Erosion des Römischen Weltreichs zu:
Landnahmen insbesondere
germanischer Völker i.R.d. Völkerwanderung schmälerten in einer Art
umgekehrtem Schneeball-Effekt die Ressourcen-, Ertrags- und Steuerbasis
der weströmischen Zentralregion, mit Folgen für den Erhalt staatlicher Systeme,
speziell auch der Streitkräfte. Die Fähigkeiten der Gegner Roms wurden
gleichzeitig durch zivilisatorische Lernprozesse - Übernahme römischer Systeme
und Verfahren - stetig gestärkt.
Hält man das für
relevant, dann macht die Trump'sche Politik sehr viel Sinn, um den status
quo der USA zumindest zeitweise zu stabilisieren: Die äußere Gewalt
entschlossen weiter auszubauen (Wehretat; proprietäre Waffensysteme),
Ressourcen, Stützpunkte u. ggf. Land pro-aktiv zu sichern (Venezuela, ggf.
Grönland, Iran etc.) und alle denkbaren Gradienten bei Importen und Exporten zu
nutzen (u.a. Zölle, Importbeschränkungen).. Ebenso wird es sich empfehlen,
potenzielle Konkurrenz durch ökonomisch destabilisierende Aktivitäten auf
Distanz zu halten (Zölle, Boykotte, Zwang zu vergleichsweise unproduktiven
Bündnis- und Militär-Ausgaben) und fremde Allianzen zu hindern oder (EU)
aufzubrechen. Schöne neue Welt - möglichst ohne Werte und Regeln nach Art der golden rule.
(2026/3) 10.1.2026
Kölner Stadt-Anzeiger
Venezuela; Interview „Auf der Rutschbahn zur Rechtlosigkeit“ von Joachim Frank
mit Claus Kreß in der Ausgabe v. 8.1.2026 S. 4
Claus Kreß ist von
Herzen zuzustimmen: Die US-amerikanische Strafexpedition in Venezuela lädiert
die internationale Glaubwürdigkeit der USA massiv, gleichzeitig aber eben auch
den Goodwill aller erklärten Partner einer westlichen Wertegemeinschaft. Soweit
wir von Gemeinschaft überhaupt noch sprechen dürfen – das alte Europa dürfte in
den Augen Trumps heute als Systemgegner und Ressourcenkonkurrenz erscheinen,
jedenfalls für den amerikanischen Kontinent.
Was ist eine mögliche
Remedur? (1) Diplomatischer Protest: Das ist das Allermindeste, bleibt leider
aber in diesem Fall wenig Respekt gebietend. (2) Angesichts der häufig
zitierten Weltgeltung des deutschen Strafrechts könnten wir den
venezolanischen Blutzoll gerichtlich untersuchen – berichtet wird von
zweistelligen Opferzahlen. Aber genau das werden wir vermeiden wollen,
ebenso wie der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag. Und die UNO bleibt
paralysiert, gerade gegenüber ihrem Sitzstaat und Champion. (3) Es bleibt nur
Clintons geflügeltes Wort „It’s the economy, stupid!“ Heißt hier::
Eigene Abhängigkeiten minimieren, US-Privilegien kündigen, die Außen-,
Sicherheits- und Wirtschafts-Politik merklich emanzipieren. Wenn überhaupt
etwas Trump interessiert und imponiert, dann ist es Ökonomie. Und EU-eigenes
Denken ist hier spätestens mit der US-amerikanischen Sicherheitsstrategie vom
November 2025 lebenswichtig geworden.
(2026/2) 9.1.2026
DIE ZEIT, veröffentlicht am 15.1.2026 im Internet-Angebot der ZEIT = https://www.zeit.de/leserbriefe/2026/2
Berichterstattung bzgl. des Venezuela-Coups und möglicher Weiterungen in der
Ausgabe v. No. 2 v. 8.1.2026, speziell zu Bernd Ulrichs Leitartikel „Von wegen
Öl“ und zum Beitrag „Diesmal ohne Blumen im Haar“ von Holger Stark (S. 1, 37)
Klar ist er ein Proll, der Trump. Und geil auf Präsenz im
Denken möglichst vieler Zeitgenossen und Nachfahren. Aber er ist auch Proll der
Prolle und Troll der Trolle. Und ist damit Teil eines Programms, das man
„Vorwärts in die Vergangenheit!“ betiteln könnte. Das auf Ängste vor einem
globalen Abstieg aufbaut und wie in einem Bauchladen viel Zugkraft für eine
breite Bewegung verbindet: Maskulin-militärisch-weiße Überlegenheits- und
Landnahme-Träume, gerade gegenüber den Latinos („Always remember the Alamo!“), das Aufatmen über
wieder schrankenlose Ressourcen und Wachstum ohne Reue, vielleicht gar
romantische Südstaaten-Erinnerungen an verlässliche, gottgewollte Schichtung.
„It’s oil, stupid!“ könnte Trump nun auf Nachfrage
näseln. Ja, Öl ist nicht alles. Aber schon ein repräsentativer Akzent und
Venezuela ist eine gezielt einschüchternde Geste. Mit massivem
Kollateral-Nutzen: „Öl mehr und billiger!“ wird er es dealen, als Kostensenkung
für nationale Bürger und Unternehmen. Und – breites Schenkelklopfen – es setzt
gleichzeitig diese anmaßenden Araber und die frechen Russen unter Druck, mag
sie destabilisieren. Und, nicht zu unterschätzen: Alles, was die Army zu
Wasser, zu Land und in der Luft auch nur einen Zentimeter bewegen will, das
läuft für unabsehbare Zeit auf Öl.
Nicht schön? Aber so ist es. Und morgen Grönland?
Selbstverständlich. Der Kanzler wird am Ende im gelobten Oxford-Englisch
schweigen.
P.S.:
Was alles noch nichts über die Haltbarkeit der ruppigen Venezuela-Geste sagt.
Allerdings möchte ich wie Holger Stark von nachhaltigen, Trump
weit überdauernden Wirkungen ausgehen. Sowohl was Maga angeht als auch die
aktuelle Aktion. Der Versuch einer Annäherung:
Einiges gemeinsam hat der aktuelle Coup m.E. mit der
Operation TPAJAX des Jahres 1953, zu Zeiten Eisenhowers und Churchills. Als man
in Kooperation der Dienste CIA und MI6 den Iran grundreinigte bzw. den
gewählten, aber geopolitisch lästig gewordenen MP Mossadegh wegwischte. Zum
Nutzen (auch) der Ölgesellschaft AIOC, später BP, noch später hierzulande
Aral.
Dies leitete das auf den berüchtigten Dienst SAVAK
gestützte auch aus heutiger Sicht hoch autokratische, westlich orientierte
Regime des Schah Mohammad Reza Pahlavi ein. Der dann i.J. 1979 den Iran nach
stabilen Massenprotesten verlassen musste. Will sagen: Der regime change d.J.
1953 hatte für gut 26 Jahre vorgehalten, hatte am Ende des Tages allerdings
einen theokratischen Iran (dann ohne die praktische SAVAK-CIA-Schnittstelle)
zurückgelassen. Der wiederum den Urhebern des 1953er Coups, etwa Kermit Roosevelt,
noch viel weniger gefallen hätte als der Iran zu Zeiten eines
grund-bürgerlichen Realpolitikers Mossadegh. Shit happens. Der Ablauf
könnte sich dann – aber mit sicherem Abstand zur statistisch zu erwartenden
Lebensphase Trumps – in Venezuela wiederholen. Wie Mark Twain feststellte: „History doesn't repeat itself, but it often rhymes.“
Quellen etwa:
https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Ajax
https://de.wikipedia.org/wiki/SAVAK
P.P.S.
Nach der aktuellsten Nachrichtenlage bringt sich gerade der
Schah-Sohn Reza Pahlawi in Stellung, als möglicher neuer iranischer
Staatsführer - im Zusammenhang mit den Unruhen der letzten Tage, die wesentlich
auf einer weitgehend destabilisierten Wirtschaft beruhen. Ich möchte
darauf wetten: Trump wird eine solche grunddemokratische Personalie in
Kürze und sehr öffentlichkeitswirksam für eine äußerst geniale Idee halten.
Noch ein Reim, diesmal mit einer Wiederholungsrate von 73 Jahren. Wenn ich
recht zähle.
(2026/1) 4.1.2026
Frankfurter Allgemeine, abgedruckt 16.1.2026
Thomas Mann; Anne Dreesbachs Beitrag „Dem Pudel die Citrone zugeworfen“ in der
Ausgabe v. 3.1.2026, S. 9
Der Psychologe Manfred
Koch-Hillebrecht hat in seinem eingehend belegten Hitler-Psychogramm aus dem
Jahre 1999 auffällige Entsprechungen im Fühlen und Denken zweier so
gegensätzlich agierender Charaktere wie Thomas Mann und Adolf Hitler
herausgearbeitet: Etwa ein bildhaftes und über lange Zeit sehr stabiles
Erinnnerungsvermögen, das Hitler quasi zehn Teleprompter gleichzeitig verlieh
und Mann die Fähigkeit, komplexe Beobachtungen noch nach Jahren verlustfrei in
seine Schriften einzufügen. Oder eine vage definierte Sexualität, die bei
beiden leichter zu „Infatuiertheiten“ als zu tiefen menschlichen Bindungen
führte.
Wenn sie zudem eine
nicht nebensächliche Faszination für den Hund geteilt haben, dann mag das die
Beobachtungen von Koch-Hillebrecht in einem Detail abrunden.
Quelle etwa:
Manfred Koch-Hillebrecht, Homo Hitler / Psychogramm des deutschen Diktators,
Siedler 1999, speziell S. 207ff
Letzter Leserbrief aus 2025 (> 500 weitere Briefe
siehe die Links unten zu 1992 bis 2025):
(2025/78) 18.12.2025
DAS PARLAMENT, abgedruckt 20.12.2025
Wehrplicht 2.0; Alexander Weinleins Beitrag „Männer müssen wieder zur
Musterung“ in der Ausgabe Nr. 50-51 v. 6.12.2025, S. 5
Bundeswehr und
Wehrpflicht sind parlamentarisch und öffentlich Thema geworden und das ist gut
so. Trotz breiter Behandlung liegen allerdings einige Kernfragen weiter im
Nebel. Zum einen der Einsatzradius der neuen Wehrpflichtigen: Als eindeutig
galt bisher, dass Wehrpflichtige den Staat und seine Verbündeten mit ihrem
Leben zu verteidigen haben – aber eben nicht in Auslandseinsätzen. Genau das
war ja der Anlass, die Wehrpflicht in der Hochphase von „out-of-area“
auszusetzen. Wie aber wird es nun bei den zunächst ausnahmslos freiwilligen
Wehrpflichtigen stehen – just inside or out-of-area? In einer
weiter auf Ex- und Importe angewiesenen Volkswirtschaft wird man weiterhin auch
diese Einsatzform verlangen – und gerade keine gespaltene Truppe wollen.
Quellen etwa:
Eine hervorragend belegte Darstellung des Verhältnisses erweiterter Aufgaben
der Bundeswehr zur Wehrpflicht findet sich etwa in der Abhandlung von Markus
Winkler „Die Reichweite der allgemeinen Wehrpflicht“, NVwZ 1993, S. 1151-1157
Und ein paar
Sammlerstücke aus früheren Jahren:
Die Mutter aller
[meiner] Leserbriefe zur Außen- und Sicherheitspolitik:
29.9.1992
Kölner Stadt-Anzeiger; abgedruckt 2.10.1992
Militär; Absage der "V 2 - Gedenkfeier" in Peenemünde (Kölner
Stadt-Anzeiger. v. 29.9.1992)
Hätten wir am Deutschlandtag die Schöpfer der V
2 hochleben lassen, hätten wir auch die der Scud mitgefeiert. Die Scud ist wie
die Mehrzahl der heute weltweit ausgerichteten Trägersysteme legitimer
Nachfahre der V 2. Scud und V 2 sind brutale Massenvernichtungswaffen, die
unter einem verantwortungslosen Regime bewußt zum Schaden der Zivilbevölkerung
eines anderen Landes entwickelt und eingesetzt worden sind.
Demgegenüber ist der vorgebliche Kontext
ziviler (!) Raumfahrtforschung, der etwa den jungen Wernher von Braun
begeistert und geblendet haben mag, als Begründung eines V 2 - Festes geradezu
absurd. Die Forschung hat sich gegen diese Wirtschaftsidee im doppelten Sinne
auch ausdrücklich verwahrt.
Der Vorschlag war, wenn auch der count-down
schweren Herzens in letzter Sekunde abgebrochen wurde, bereits eine verheerende
Wunderwaffe gegen das Ansehen des neuen Deutschland im Ausland und unserer
Repräsentanten im Inland.
Und der am weitesten
gereiste Leserbrief:
22.08.1995
NIKKEI WEEKLY, JAPAN; abgedruckt 28.8.1995
Militärpolitik; Bombardierung von Hiroshima und Nagasaki; THE NIKKEI WEEKLY of
August 14, 1995
I refer to reports on
WW II and especially to two letters to
the editor printed in THE NIKKEI WEEKLY of August 14, 1995. It is my
impression that those two letters offer a unilateral and quite insulting
interpretation of the motives behind the drop of atomic bombs onto Hiroshima
and Nagasaki fifty years ago (e.g. N. Hale: "a merciful decision").
So, I would like to show an alternative view:
It is certainly true
that Japanese military leaders commenced the hostilities against the
The echoes of that
demonstration of power strongly outlived that event. We hear them over and over
again – from
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Sicherheitspolitik, Auslandseinsätze bzw. „out of area“ veröffentlicht worden sind.
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