Karl Ulrich Voss,
Burscheid: Meine Leserbriefe im Jahr 2026
Stand: Januar 2026; grün unterlegt:
lokale/regionale Themen u. Medien
(2026/8) 22.1.2026
Kölner Stadt-Anzeiger, abgedruckt 24.1.2026
Friedenspolitik; zum Interview von Joachim Frank mit Rolf Mützenich in der
Ausgabe v. 21.1.2026, S. 6 („Trump verhöhnt das Verhandeln“) sowie zum Frank&Frei-Podium „Und die Feindesliebe?“ am gleichen Tage in der Kölner Karl-Rahner-Akademie
Rolf Mützenich wirkt
verletzlich, räumt Schrammen und Beulen ein. Nachgefragt: Männer wie Karl
Rahner, die im Kalten Krieg im Westen wie im Osten willkommen waren und
gesprochen haben, oder Egon Bahr, der durch den Eisernen Vorhang hindurch
denken konnte: Hätten diese heute Chancen in der SPD? Eher unrealistisch,
antwortet Mützenich mit Bedauern.
In der
Karl-Rahner-Akademie jedenfalls hatte er die deutliche Mehrheit des
christlichen Abendlandes hinter sich – für aktive Vertrauensbildung und einen
unbeirrten Dialog unter Gegnern. Nicht nur das christliche Abendland im
Übrigen, auch die Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur stärkte ihm den
Rücken. Mützenich hat wohl das Zeug, Friedfertige in der traditionell
gewaltkritischen SPD zu halten. Und gerade nicht solche, die heute beseelt den
Kriegstanz tanzen – trotz der im Mittel sehr schlechten militärischen Bilanz
seit UNOSOM II. Damals schon: nach der Phase der Entspannungspolitik.
Ich verstehe Rolf
Mützenich auch so: Er hätte sich nicht vor Trumps Schreibtisch zitieren und
dort nicht von oben herab kujonieren lassen. Respektable und repräsentative
Europäer sollten genau das in Zukunft meiden wie der Teufel das Weihwasser.
Anm.:
Mützenichs berechtigte Kritik an europäischen Staatsmännern (dritter Absatz des
Leserbriefs) bezog sich offenbar auf ein Bild vom Washingtoner Ukraine-Gipfel
vom 18.8.2025; es ist u.a. hier wiedergegeben: https://www.bild.de/politik/ausland-und-internationales/am-schreibtisch-des-praesidenten-hier-bangt-europa-vor-trump-68a4269a99ec9e2fe941d6c4
(2026/7) 20.1.2026
RGA / Bergischer Volksbote,
abgedruckt 22.1.2026
zu Nadja Lehmanns Artikel „Braucht Burscheid ein Parkhaus?“ in der Ausgabe v.
19.1.2026, S. 21)
Für mich sind es sehr
überraschende Folgerungen aus der Stadtentwicklungs-Werkstatt kurz vor
Weihnachten: Ein Parkhaus für die Altstadt, ggf. kommunal finanziert und
betrieben? Jedenfalls in meinem Beisein hatte es seitens der Bürger*innen
völlig anders geklungen: Die bereits vorhandenen, Barriere-armen
Parkmöglichkeiten in der unteren Hauptstraße möglichst erhalten – fairerweise
ebenso wie im mittleren und oberen Abschnitt! Und den Durchfluss weiter
gewährleisten, nicht etwa einen Gefäßverschluss in unsere Lebensader
einbauen!
Genau das müsste uns
auch das Beispiel Altenas zeigen, wo das Düsseldorfer Planungsbüro ASS zuvor
beraten hatte: Der verkehrsberuhigte Teil der dortigen Lennestraße,
sie entspricht historisch und funktional unserer Hauptstraße, ist trotz eines
„IEHK Altena 2015“ weiter und weiter ausgetrocknet. Siehe und lerne!
Ich möchte anregen, und
das war m.E. auch der weit überwiegende Wille am 17. Dezember: Markt und untere
Hauptstraße behutsam neu gestalten, Verkehr zulassen,
Geld sparen. Geld, das wir angesichts unserer rapide schmelzenden Rücklagen
ebenso wenig locker haben werden wie für den Bau und Betrieb eines Parkhauses.
P.S.
Meine Eindrücke der ISEK-Werkstatt am 17.12.2025 stehen in einer am
16.1.2026 abgegebenen Stellungnahme: https://www.vo2s.de/bu_2026-01-16_isek-workshop_voss.pdf; Kurzfassung unter https://www.vo2s.de/bu_2026-01-16_isek_voss-ms.pdf. In der offiziellen Doku des Moderators vom 17.12. findet
sich ebenfalls kein Beleg für eine Parkhaus-Initiative, siehe https://beteiligung.nrw.de/portal/download/resources/beteiligung/1020584/gegenstand/1050504/datei/1914528_1/doku_buergerws_isek2030_251217_promediare_final.pdf
(2026/6) 12.1.2026
Kölner Stadt-Anzeiger
Iran; zu Christoph Schmidts Beitrag „Ein Charles III. des Mittleren Ostens“ in
der Ausgabe v. 12.1.2026, S. 2
Danke für den
berechtigten Hinweis auf die Vorgeschichte der Islamischen Republik: Auf den
i.J. 1953 von westlichen Diensten mittels der Operation TPAJAX initiierten
Machtwechsel, vom demokratisch gewählten iranischen Präsidenten Mossadegh auf
das dann autokratische Regime des Mohammad Reza Pahlawi. Damals wie heute in
Venezuela waren Öl-Interessen hochwirksam, aber auch ein rapide wachsendes
Blockdenken und der stete Versuch, strategisch relevante Staaten in die eigene
Richtung zu „drehen“.
Das Regiment des Schah
– es stützte sich auf den als brutal bekannten iranischen Dienst SAVAK, wurde
mittelbar sogar Auslöser der deutschen Studentenunruhen – hielt sich bis 1979;
sein Zusammenbruch stürzte den Iran in die heutige Theokratie. Was wir im Jahre
2026 sehen, das ist ein vom Westen verantwortlich mitgeschaffener failing state, und
er wurde durch den irakisch-iranischen Stellvertreter-Krieg und durch
jahrzehntelange einschneidende Boykott-Maßnahmen systematisch weiter zerrüttet.
Oder: Es ist nun das furchterregende Produkt von Zauberlehrlingen.
Der Westen ist damit
die allerletzte Weltregion, die das Vertrauen der Iranerinnen und Iraner
verdient. Wir müssen uns von Ratschlägen oder gar von dynastischen Ideen
fernhalten. Auch die noch frischen Erfahrungen mit ISAF müssten uns ernüchternd
davon abhalten, einem neuerlichen Machtwechsel in einem islamischen Staat
nachzuhelfen. Was uns nicht verwehrt ist: Vermittelnde Diplomatie, spürbare
Nächstenliebe und menschliche Hilfe, ohne weltanschauliche Hintergedanken.
Quellen etwa:
https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Ajax
https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Golfkrieg
P.S.
Ein geringschätziges, wenn nicht zynisches Verhältnis des Westens gegenüber
Iran und Irak mag man mit Bemerkungen charakterisieren, die einem
US-Außenminister und einer Amtsnachfolgerin zugeordnet werden:
(1) „It’s a pity they can’t both
lose.“ = Henry Kissinger zu den möglichen Folgen des irakisch-iranischen
Krieges 1980-1988 bzw. des ersten Golfkrieges, damals noch mit intensiver
US-Unterstützung für den Irak, zitiert nach https://www.independent.co.uk/voices/henry-kissinger-death-obituary-nixon-vietnam-b2456059.html). Anm. zur Quellenlage: Kissinger wird mit mehreren leicht
voneinander abweichenden Wortlauten zitiert; eine sicher verbürgte Quelle
(Ort/Datum) gibt es m.W. nicht, allerdings sind auch keine Dementis bekannt.
Das folgende Zitat ist allerdings sehr gut verbürgt:
(2) „We think the price was worth
it.“ = Madeleine Albright am 12.5.1996 in einem per Youtube
nachverfolgbaren Interview auf die für sie überraschende Frage, ob massive
Todesopfer unter irakischen Kindern infolge eines US-Medizin-Boykotts im
Kontext des zweiten
Golfkriegs 1990/1991 gerechtfertigt waren, siehe u.a. https://en.wikipedia.org/wiki/Madeleine_Albright.
Man sollte in der
Rückschau festhalten: Am Ende hatten tatsächlich beide Völker massiv
verloren – das des Irak und das des Iran. Oder
auch: der Stoßseufzer, der oben Henry Kissinger zugeordnet ist, hat sich
schließlich mit nachhaltigen Wirkungen erfüllt. Ohnehin erscheint der Nahe und
Mittlere Osten heute in sehr weiten Teilen destabilisiert, zerstört und als
Ausgangspunkt breiter Fluchtbewegungen. „Ex oriente
lux!“, wie es noch mein Großvater kannte, das
wird heute niemand mehr ernsthaft sagen wollen.
(2026/5)11.1.2026
Frankfurter Allgemeine
Venezuela; Michael Hansfelds Beitrag „Action in Caracas. Donald Trump macht die
Regeln, was machen wir?“ in der Ausgabe v.5.1.2026, S. 9
Tollkühn-brillant, was die
Elitekämpfer der Delta Force da in Caracas vollbracht haben? Ja, zumindest zur
erklärten Befriedigung eines Donald Trump, der die rasante Action live und in
Farbe am Bildschirm miterleben durfte. Aber „macht Donald Trump (nun) die
Regeln“, wie es der Untertitel ausdrückt? Oder reißt er nicht lustvoll tragende
Teile desjenigen Regelwerks ein, auf dem die UNO und damit die friedliche und
gedeihliche Koexistenz der Völker basieren?
Oder auch: Was wären
die lessons to be learnt speziell für uns?
Könnte irgendein Kommandeur der Bundeswehr im Rahmen der ganz zu Recht weiter
hoch gehaltenen „Inneren Führung“ seinen erwartungsvollen Soldatinnen und
Soldaten erklären, wo der militärische Auftrag der Allianz künftig anfängt? Und
wichtiger noch: Wo er endet? Zu staatlichen Gewaltformen, die irreversibel
in Grundrechte eingreifen, sollte genau das der Kommandeur – ebenso der
Werbe-Offizier in der Schulklasse – mit befriedigender Genauigkeit definieren,
sprich abgrenzen können, nicht wahr?
Es ist völlig richtig:
Wir müssen die Souveränität ausbauen, das Völkerrecht bzw. ganz allgemein eine
regelbasierte Ordnung zu verteidigen bzw. durchzusetzen, dabei auch die golden
rule bzw. den kategorischen Imperativ. Ebenso
richtig ist: Durch Kopie des aktuellen US-amerikanischen Benchmarks – oder
durch betretenes Wegschauen bei robusten Kommando-Einsätzen – werden wir hier
keinen Millimeter vorankommen, ganz im Gegenteil.
P.S.
Es heißt: Der von
Donald Trump autorisierte Einsatz habe etwa vierzig venezolanische Tote
gefordert, damit in gleicher Größenordnung wie bei dem wohl fahrlässig
verursachten Diskotheken-Brand in Crans-Montana zwei Tage vorher. Glocken
werden in Washington nicht geläutet haben. Und natürlich wird sich auch kein
Strafgericht dieser Welt je mit der 2026er Causa Venezuela befassen wollen.
Diese Opfer hatten schlicht zur falschen Zeit am falschen Platz gestanden.
(2026/4) 11.1.2026
Süddeutsche Zeitung
Venezuela; Herfried Münklers Beitrag „Das Imperium schreitet voran“ in der
Ausgabe v. 5./6.2026, S. 9
Eine neue Weltordnung
möchte ich es nicht nennen, übrigens auch keine weitere Zeitenwende. Eher eine
parabolische Geschichtsentwicklung, nur halt mit einem neuen Gradienten bei
offener Schamlosigkeit, neo-kolonialistischer Gier und nationalem Egoismus.
Der Venezuela-Coup
erinnert mich auch nicht primär an die Strafexpedition bzw. das robuste
Kidnapping des panamaischen „Strongman“ Noriega Anfang der Neunziger, mag es
auch einige Ähnlichkeiten geben. Sondern viel mehr an die Operation TPAJAX
schon in den Fünfzigern. Als CIA und MI6 wie eifrige Zauberlehrlinge gegen den
bürgerlich-nationalen iranischen MP Mossadegh plotteten, u.a. zu Gunsten der
AIOC, später BP bzw. Aral. Als diese Dienste dann ein hoch autoritäres
Satrapen-Regime aus Schah und SAVAK installieren halfen. Das am Ende
scheiterte und den Iran in eine – dem Westen noch viel abträglichere –
Theokratie stürzte. Und heute will ein Schah-Sohn gerne wieder abhelfen, mit
Hilfe des Westens. Oder auch: groundhog
day.
Also wohl wenig Neues,
viel Zyklisches und peinlich berührtes Wegsehen, gerne auch Orwell’sches
Doppeldenk und Doppelsprech. Nun: Die USA wollen
sicher keine neue globale Souveränität durchsetzen; sie wollen schlicht
ihre jahrzehntelange Rolle bei der Steuerung und Nutzung der Welt und ihrer
Ressourcen perpetuieren, möglichst ad ultimo. End of
history per Diktat.
P.S.
Ich neige einer
Erklärung des britischen Historikers Peter Heather für die Erosion des Römischen Weltreichs zu:
Landnahmen insbesondere
germanischer Völker i.R.d. Völkerwanderung
schmälerten in einer Art umgekehrtem Schneeball-Effekt die
Ressourcen-, Ertrags- und Steuerbasis der weströmischen Zentralregion, mit
Folgen für den Erhalt staatlicher Systeme, speziell auch der Streitkräfte. Die
Fähigkeiten der Gegner Roms wurden gleichzeitig durch zivilisatorische
Lernprozesse - Übernahme römischer Systeme und Verfahren - stetig
gestärkt.
Hält man das für
relevant, dann macht die Trump'sche Politik sehr
viel Sinn, um den status quo der USA
zumindest zeitweise zu stabilisieren: Die äußere Gewalt entschlossen
weiter auszubauen (Wehretat; proprietäre Waffensysteme), Ressourcen,
Stützpunkte u. ggf. Land pro-aktiv zu sichern (Venezuela, ggf. Grönland,
Iran etc.) und alle denkbaren Gradienten bei Importen und Exporten zu nutzen
(u.a. Zölle, Importbeschränkungen).. Ebenso wird es
sich empfehlen, potenzielle Konkurrenz durch ökonomisch destabilisierende
Aktivitäten auf Distanz zu halten (Zölle, Boykotte, Zwang zu
vergleichsweise unproduktiven Bündnis- und Militär-Ausgaben) und
fremde Allianzen zu hindern oder (EU) aufzubrechen. Schöne neue Welt -
möglichst ohne Werte und Regeln nach Art der golden rule.
(2026/3) 10.1.2026
Kölner Stadt-Anzeiger
Venezuela; Interview „Auf der Rutschbahn zur Rechtlosigkeit“ von Joachim Frank
mit Claus Kreß in der Ausgabe v. 8.1.2026 S. 4
Claus Kreß ist von Herzen zuzustimmen: Die US-amerikanische
Strafexpedition in Venezuela lädiert die internationale Glaubwürdigkeit der USA
massiv, gleichzeitig aber eben auch den Goodwill aller erklärten Partner einer
westlichen Wertegemeinschaft. Soweit wir von Gemeinschaft
überhaupt noch sprechen dürfen – das alte Europa dürfte in den Augen
Trumps heute als Systemgegner und Ressourcenkonkurrenz erscheinen, jedenfalls
für den amerikanischen Kontinent.
Was ist eine mögliche
Remedur? (1) Diplomatischer Protest: Das ist das Allermindeste, bleibt leider
aber in diesem Fall wenig Respekt gebietend. (2) Angesichts der häufig
zitierten Weltgeltung des deutschen Strafrechts könnten wir den
venezolanischen Blutzoll gerichtlich untersuchen
– berichtet wird von zweistelligen Opferzahlen. Aber genau das werden wir
vermeiden wollen, ebenso wie der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag.
Und die UNO bleibt paralysiert, gerade gegenüber ihrem Sitzstaat und Champion.
(3) Es bleibt nur Clintons geflügeltes Wort „It’s
the economy, stupid!“
Heißt hier:: Eigene Abhängigkeiten minimieren,
US-Privilegien kündigen, die Außen-, Sicherheits- und Wirtschafts-Politik
merklich emanzipieren. Wenn überhaupt etwas Trump interessiert und imponiert,
dann ist es Ökonomie. Und EU-eigenes Denken ist hier spätestens mit der
US-amerikanischen Sicherheitsstrategie vom November 2025 lebenswichtig
geworden.
(2026/2) 9.1.2026
DIE ZEIT, veröffentlicht am 15.1.2026 im Internet-Angebot der ZEIT = https://www.zeit.de/leserbriefe/2026/2
Berichterstattung bzgl. des Venezuela-Coups und möglicher Weiterungen in der
Ausgabe v. No. 2 v. 8.1.2026, speziell zu Bernd
Ulrichs Leitartikel „Von wegen Öl“ und zum Beitrag „Diesmal ohne Blumen im
Haar“ von Holger Stark (S. 1, 37)
Klar ist er ein Proll, der Trump. Und geil auf Präsenz im
Denken möglichst vieler Zeitgenossen und Nachfahren. Aber er ist auch Proll der
Prolle und Troll der Trolle. Und ist damit Teil eines Programms, das man
„Vorwärts in die Vergangenheit!“ betiteln könnte. Das auf Ängste vor einem
globalen Abstieg aufbaut und wie in einem Bauchladen viel Zugkraft für eine
breite Bewegung verbindet: Maskulin-militärisch-weiße Überlegenheits- und
Landnahme-Träume, gerade gegenüber den Latinos („Always remember
the Alamo!“), das Aufatmen über
wieder schrankenlose Ressourcen und Wachstum ohne Reue, vielleicht gar
romantische Südstaaten-Erinnerungen an verlässliche, gottgewollte Schichtung.
„It’s oil, stupid!“ könnte Trump nun auf Nachfrage näseln.
Ja, Öl ist nicht alles. Aber schon ein repräsentativer Akzent und Venezuela ist
eine gezielt einschüchternde Geste. Mit massivem Kollateral-Nutzen: „Öl mehr
und billiger!“ wird er es dealen, als Kostensenkung
für nationale Bürger und Unternehmen. Und – breites Schenkelklopfen – es setzt
gleichzeitig diese anmaßenden Araber und die frechen Russen unter Druck, mag
sie destabilisieren. Und, nicht zu unterschätzen: Alles, was die Army zu Wasser,
zu Land und in der Luft auch nur einen Zentimeter bewegen will, das läuft für
unabsehbare Zeit auf Öl.
Nicht schön? Aber so ist es. Und morgen Grönland?
Selbstverständlich. Der Kanzler wird am Ende im gelobten Oxford-Englisch
schweigen.
P.S.:
Was alles noch nichts über die Haltbarkeit der ruppigen Venezuela-Geste sagt.
Allerdings möchte ich wie Holger Stark von nachhaltigen, Trump
weit überdauernden Wirkungen ausgehen. Sowohl was Maga angeht als auch die
aktuelle Aktion. Der Versuch einer Annäherung:
Einiges gemeinsam hat der aktuelle Coup m.E. mit der
Operation TPAJAX des Jahres 1953, zu Zeiten Eisenhowers und Churchills. Als man
in Kooperation der Dienste CIA und MI6 den Iran grundreinigte bzw. den
gewählten, aber geopolitisch lästig gewordenen MP Mossadegh wegwischte. Zum
Nutzen (auch) der Ölgesellschaft AIOC, später BP, noch später hierzulande
Aral.
Dies leitete das auf den berüchtigten Dienst SAVAK
gestützte auch aus heutiger Sicht hoch autokratische, westlich orientierte
Regime des Schah Mohammad Reza Pahlavi ein. Der dann i.J. 1979 den Iran nach
stabilen Massenprotesten verlassen musste. Will sagen: Der regime
change d.J. 1953 hatte für gut 26 Jahre
vorgehalten, hatte am Ende des Tages allerdings einen theokratischen Iran (dann
ohne die praktische SAVAK-CIA-Schnittstelle) zurückgelassen. Der wiederum den
Urhebern des 1953er Coups, etwa Kermit Roosevelt, noch viel weniger gefallen
hätte als der Iran zu Zeiten eines grund-bürgerlichen Realpolitikers Mossadegh.
Shit happens. Der Ablauf könnte sich dann –
aber mit sicherem Abstand zur statistisch zu erwartenden Lebensphase Trumps –
in Venezuela wiederholen. Wie Mark Twain feststellte: „History doesn't repeat itself, but it often rhymes.“
Quellen etwa:
https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Ajax
https://de.wikipedia.org/wiki/SAVAK
P.P.S.
Nach der aktuellsten Nachrichtenlage bringt sich
gerade der Schah-Sohn Reza Pahlawi in Stellung, als möglicher neuer
iranischer Staatsführer - im Zusammenhang mit den Unruhen der letzten Tage, die
wesentlich auf einer weitgehend destabilisierten Wirtschaft beruhen. Ich
möchte darauf wetten: Trump wird eine solche grunddemokratische Personalie
in Kürze und sehr öffentlichkeitswirksam für eine äußerst geniale Idee halten.
Noch ein Reim, diesmal mit einer Wiederholungsrate von 73 Jahren. Wenn ich
recht zähle.
(2026/1) 4.1.2026
Frankfurter Allgemeine, abgedruckt 16.1.2026
Thomas Mann; Anne Dreesbachs Beitrag „Dem Pudel die Citrone zugeworfen“ in der
Ausgabe v. 3.1.2026, S. 9
Der Psychologe Manfred
Koch-Hillebrecht hat in seinem eingehend belegten Hitler-Psychogramm aus dem
Jahre 1999 auffällige Entsprechungen im Fühlen und Denken zweier so
gegensätzlich agierender Charaktere wie Thomas Mann und Adolf Hitler
herausgearbeitet: Etwa ein bildhaftes und über lange Zeit sehr stabiles Erinnnerungsvermögen, das Hitler
quasi zehn Teleprompter gleichzeitig verlieh und Mann die Fähigkeit, komplexe
Beobachtungen noch nach Jahren verlustfrei in seine Schriften einzufügen. Oder
eine vage definierte Sexualität, die bei beiden leichter zu „Infatuiertheiten“ als zu tiefen menschlichen Bindungen
führte.
Wenn sie zudem eine
nicht nebensächliche Faszination für den Hund geteilt haben, dann mag das die
Beobachtungen von Koch-Hillebrecht in einem Detail abrunden.
Quelle etwa:
Manfred Koch-Hillebrecht, Homo Hitler / Psychogramm des deutschen Diktators,
Siedler 1999, speziell S. 207ff
Letzter Leserbrief aus 2025 (> 500 weitere Briefe
siehe die Links unten zu 1992 bis 2025):
(2025/78) 18.12.2025
DAS PARLAMENT, abgedruckt 20.12.2025
Wehrplicht 2.0; Alexander Weinleins Beitrag „Männer müssen wieder zur
Musterung“ in der Ausgabe Nr. 50-51 v. 6.12.2025, S. 5
Bundeswehr und
Wehrpflicht sind parlamentarisch und öffentlich Thema geworden und das ist gut
so. Trotz breiter Behandlung liegen allerdings einige Kernfragen weiter im
Nebel. Zum einen der Einsatzradius der neuen Wehrpflichtigen: Als eindeutig
galt bisher, dass Wehrpflichtige den Staat und seine Verbündeten mit ihrem
Leben zu verteidigen haben – aber eben nicht in Auslandseinsätzen. Genau das
war ja der Anlass, die Wehrpflicht in der Hochphase
von „out-of-area“ auszusetzen. Wie aber wird es nun
bei den zunächst ausnahmslos freiwilligen Wehrpflichtigen stehen – just inside or out-of-area? In einer weiter auf Ex- und Importe
angewiesenen Volkswirtschaft wird man weiterhin auch diese Einsatzform
verlangen – und gerade keine gespaltene Truppe wollen.
Quellen etwa:
Eine hervorragend belegte Darstellung des Verhältnisses erweiterter Aufgaben
der Bundeswehr zur Wehrpflicht findet sich etwa in der Abhandlung von Markus
Winkler „Die Reichweite der allgemeinen Wehrpflicht“, NVwZ 1993, S. 1151-1157
Und ein paar
Sammlerstücke aus früheren Jahren:
Die Mutter aller
[meiner] Leserbriefe zur Außen- und Sicherheitspolitik:
29.9.1992
Kölner Stadt-Anzeiger; abgedruckt 2.10.1992
Militär; Absage der "V 2 - Gedenkfeier" in Peenemünde (Kölner
Stadt-Anzeiger. v. 29.9.1992)
Hätten wir am Deutschlandtag die Schöpfer der V
2 hochleben lassen, hätten wir auch die der Scud mitgefeiert. Die Scud ist wie
die Mehrzahl der heute weltweit ausgerichteten Trägersysteme legitimer
Nachfahre der V 2. Scud und V 2 sind brutale Massenvernichtungswaffen, die
unter einem verantwortungslosen Regime bewußt zum
Schaden der Zivilbevölkerung eines anderen Landes entwickelt und eingesetzt
worden sind.
Demgegenüber ist der vorgebliche Kontext
ziviler (!) Raumfahrtforschung, der etwa den jungen Wernher von Braun
begeistert und geblendet haben mag, als Begründung eines V 2 - Festes geradezu
absurd. Die Forschung hat sich gegen diese Wirtschaftsidee im doppelten Sinne
auch ausdrücklich verwahrt.
Der Vorschlag war, wenn auch der count-down schweren Herzens in letzter Sekunde abgebrochen
wurde, bereits eine verheerende Wunderwaffe gegen das Ansehen des neuen
Deutschland im Ausland und unserer Repräsentanten im Inland.
Und der am weitesten
gereiste Leserbrief:
22.08.1995
NIKKEI WEEKLY, JAPAN; abgedruckt 28.8.1995
Militärpolitik; Bombardierung von Hiroshima und Nagasaki; THE NIKKEI WEEKLY of August 14, 1995
I refer to reports on
WW II and especially to two letters to
the editor printed in THE NIKKEI WEEKLY of August 14, 1995. It is my
impression that those two letters offer a unilateral and quite insulting
interpretation of the motives behind the drop of atomic bombs onto Hiroshima
and Nagasaki fifty years ago (e.g. N. Hale: "a merciful decision").
So, I would like to show an alternative view:
It is certainly true
that Japanese military leaders commenced the hostilities against the
The echoes of that
demonstration of power strongly outlived that event. We hear them over and over again – from
Weitere
Leserbriefe
2025 / 2024 / 2023 / 2022 /
2021 /
2020 /
2019
/ 2018 / 2017 / 2016 / 2015 / 2014 / 2013 / 2012 / 2011 / 2010
/
2009 / 2008 / 2007 / 2006 / 2005 / 2004 / 2003 / 2002 / 2001 / 2000 /
1999 / 1998 / 1997 / 1996 / 1995 / 1994 / 1993 / 1992
Oder auch ein paar Briefe für Englisch-sprachige Medien.
Gerne meine > 200
Leserbriefe, die zum Thema Außen- und
Sicherheitspolitik, Auslandseinsätze bzw. „out of area“ veröffentlicht
worden sind.
Zurück zur Index-Seite:
hier